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Genetische Grundlage und soziale Bindung sind bei den Maremmanen,
ohne eine gewisse Erziehung zu missachten, dominanter als bei anderen
Hunden. Dass soll nicht heißen, dass er ausbildungsresistent
ist, aber sein angeborenes Verhalten dominiert mehr als bei anderen
Rassen das Anerzogene. Die Unabhängigkeit und Selbständigkeit
dieser Rasse bedeutet aber nicht, dass sie sich selbst überlassen
werden dürfen: sie bedürfen der menschlichen Aufsicht.
Dabei gilt: Einmischung, so wenig wie möglich, Korrektur,
soviel wie nötig!
Die vorhandenen genetischen Eigenschaften müssen gefördert
werden, die Aneignung oder Ausprägung von unerwünschten
Angewohnheiten werden unterdrückt. Das heißt, der Halter
muss „intolerant sein gegenüber inakzeptablen Verhalten“
(Sims, 1995)
Für die alten Hirtenhunde bedeutete inakzeptables Verhalten:
Spiel mit Lämmern, Jagen, Beißen, Streunen, Aggressivität
gegenüber Mensch und Herdenmitgliedern.
Es ist in der Regel einfach, dem Maremmanen in der Jugend ohne übertriebene
Härte (auf die er eher ängstlich reagieren würde)
Unerwünschtes zu verbieten. Meist reicht ein missbilligender
Tadel, vorausgesetzt, er hat eine starke Bindung an seine Besitzer
und deren Umgebung.Während des Welpen- und Junghundalters ist
er sehr zurückhaltend, oft scheinbar ängstlich. Wenn man
ihm geduldig die Möglichkeit gibt, durch Beobachtung und intensives
Zusammenleben sein neues Umfeld zu erfahren, wird er sehr leicht
begreifen, welche Aufgaben er wahrnehmen soll und was nicht erwünscht
ist.
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Argante |
Der Maremmane ist gegen seinen Besitzer sehr sensibel. Und genauso
wie er niemals sich gegen ein ihm anvertrautes Schaf wenden wird,
wird er sich auch in der Familie verhalten. Maremmanen brauchen
sehr viel mehr soziale Prägung als andere Rassen. Wenn ihnen
diese gewährt wird, wird er sich wie ein Wolf ins Rudel einfügen
und dabei automatisch lernen, was er soll und was nicht.
Selbst Dinge wie Leinenführigkeit oder Platzmachen
wird er auf diese Weise lernen. Er begreift z.B. schnell, wie lästig
das Gezerre an seinem Hals ist und vor allem, wie lästig es
seinem Besitzer ist und wird ohne weitere Maßnahmen manierlich
an der Leine laufen. Bringt man es ihm auf die übliche Weise
mit Kommandos und Gezerre an der Leine bei, kann es passieren, dass
er bockig wird und er sich immer resistenter auch gegen andere Lektionen
verhält.
Er ist immer bestrebt, zu tun, was von ihm verlangt
wird. Dies kann länger dauern, als eine Abrichtung in der Hundegruppe,
aber es kommt sozusagen aus der eigenen „Einsicht“.
Bei Maremmanen, die man versucht, auf konventionelle Weise zu erziehen,
wird man unter Umständen diese Fähigkeit zum „sozialen
Lernen“ unterdrücken.
Unser „Artu“ hat noch mit 7 Jahren begriffen, dass in
unserem Hause viele Fremde ein- und ausgehen und er sie nicht zu
vertreiben hat, obwohl dies früher auf seinem Anwesen in Italien
seine Aufgabe war. Wir haben ihm nach einer Eingewöhnungszeit
durch Gestik und Stimme unseren Unmut über sein Verbellen von
Besuchern ausgedrückt. Er hat dann erlebt, dass diese Besuche
zu unserem Alltag gehören und er hat die Situation nach einigen
Wochen akzeptiert. Später hatte er zu den regelmäßigen
Besuchern, Freunden unserer Kinder etc. freundliche Beziehungen,
viele erkannte er schon nach kurzer Zeit an Autogeräuschen.
In der Regel müssen sie beim Maremmanen nicht
befürchten, dass er ohne Vorwarnung jemanden angeht, sie können
einschreiten oder der Bedrohte hat Gelegenheit sich zurückzuziehen.
Allerdings hat ein solch prägsamer und gut beobachtender Hund
wie der Maremmane ein feines Gespür für Missstimmungen
oder verdeckte Feindseligkeiten. Verhält er sich mit fremden
Menschen ungewöhnlich aufmerksam und misstrauisch, sollten
sie ihren Hund gut im Auge behalten! Wenn ein Maremmane erst einmal
durch Provokationen in Wut kommt, muss man sehr energisch werden,
damit er sich wieder „einkriegt“.
Ein Hirtenhund, der nur auf seine Schafe und den Hirten und dessen
Familie geprägt ist, ist ablehnend gegenüber allem Fremden.
Viele französische und italienische Hirtenhundehalter schließen
die gleichzeitige soziale Bindung zu Mensch und Herde aus (Transhumanz).
Nur so erhalten sie ihrer Auffassung nach einen absolut zuverlässigen
Hirtenhund. Dies mag nter bestimmten Lebensbedingungen auch
Sinn machen.
Professor David E. Sims (Veterynary College, Atlanta,
Präs. der int. Akbasch Vereinigung, in „Deutsche Schafzucht“
16/1995) hat eine andere Auffassung: „ Eine Bindung an Schafe
verlangt nicht den Verzicht auf andere soziale Beziehungen zu Mensch
und Tier.“ Wir selbst haben Maremmanen kennen gelernt, die
kompromisslose Hirtenhunde waren und trotzdem Menschen gegenüber
vollkommen ungefährlich. Unser Argante, der jahrelang in der
Toskana eine Herde bewachte, ist so ein Beispiel. Es ist besonders
beim Maremmanen eine Frage der Prägung und Erziehung. Andere
Hirtenhunderassen unterscheiden sich hier zum Teil beträchtlich!
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Flughunde Merle
und Henry |
Hirtenhunde werden im landläufigen Sinne nur wenig erzogen!
Die Hirten sorgen für optimale Prägung an die Herde und
für die richtige Umgebung. Durch seinen angeborenen Schutztrieb
erfüllt der Hirtenhund dann im Prinzip von selbst seine
Aufgaben. Der Hirte muss nur noch eine ausreichende Kontrolle über
den Hund entwickeln und unerwünschtes Verhalten vermeiden und
sanktionieren. Das gewünschte Verhalten entwickelt sich dann
von selbst. (Roque 1993 , Cave-Penney,1994 aus Schafzucht 16/95):
„Lediglich zu seinem Züchter/ Aufzüchter sollte
und muss der junge Hund Kontakt haben, d.h. er muss seinen Herrn
kennen, auf „Komm“ zu ihm kommen, er muss wissen, wie
er heißt und welche Bedeutung das Wort „nein“
hat.“
Im Unterschied zu einigen anderen Hirtenhunden ist der Maremmane
stärker auf seinen Besitzer bezogen, so dass die Einwirkung
auf den Hund sanft und ohne Härte erfolgen kann. Der Maremmane
ist empfindsam bei Einwirkungen seines Besitzers (und dessen Familie)!
Eine weitere Besonderheit im Unterschied zu anderen Hirtenhunden
ist beim Maremmanen die starke Bezogenheit auf ein eigenes Territorium.
Er braucht also für seine artgerechte Entwicklung ein ausreichend
großes Revier. Er muss die Möglichkeit haben, sein Verhalten
bezüglich Kontakt oder Annäherung zu Fremden auf einem
genügend großen Grundstück zu entwickeln, d.h. er
muss vor allem als junger Hund die Möglichkeit haben, sich
zurückziehen können, wenn ihm eine Begegnung unangenehm
ist.
Andernfalls könnte es sein, dass er sich zu unangemessener
Verteidigung hinreißen lässt. Dies ist wichtiger als
weitläufige Spaziergänge und Wanderungen, die er als Junghund
nicht unbedingt schätzt. Natürlich muss ein junger Maremmane
viele Erfahrungen machen, um ein gut sozialisierter Hund werden.
Er muss alles kennen lernen: Verkehr, Kneipenbesuch, Menschenansammlungen,
aber alles sehr vorsichtig und mit entsprechenden Pausen dazwischen.
Das eigene Territorium wird beim Maremmanen nicht durch Spaziergänge
ersetzt! Er soll niemals ausschließlich in der Wohnung gehalten
werden, wenn man Fehlentwicklungen vermeiden will, und schon gar
nicht im Zwinger.
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